Ausdrucksmalen

"Es sollte niemand Ausdruck mit Kunst vergleichen. Ausdruck ist nicht eine mögliche Komposition, sondern geschieht aus einer unbezweifelten Notwendigkeit, geschieht ohne Zögern noch Fragen. Ausdruck ist unbelastet von kulturellen Vorbildern wie auch von Absicht und Erwartung." (Arno Stern)

Ausdrucksmalen ist ein schöpferischer Prozess, in dem innere Bilder eine äußere Form bekommen. Beim Malen wird Kontakt hergestellt zwischen der Innen- und Außenwelt. Die Seele erhält die Möglichkeit, sich zu öffnen mit Erinnerungen, Wünschen und Sehnsüchten, mit Träumen und Gefühlen, die sich ihren Weg von innen nach außen auf das Malpapier suchen und sich dort in ureigenste Bilder formen.
Durch regelmäßiges Ausdrucksmalen schwinden anfängliche Ängste, Leistungsdruck und abwertende Bewertungen der eigenen Bilder, oft ausgelöst durch früher erlebten Schulkunstunterricht, indem das fertig gestellte Bild immer einer Bewertung durch den Lehrer unterlag.
Der heilende und stärkende Aspekt des Ausdrucksmalens wird mehr spürbar und erlebbar, je regelmäßiger gemalt wird. So kann ein anfänglich bewertendes, abwertendes oder leistungsorientiertes Verhalten wechseln in eine wertschätzende, loslassende und vertrauende Haltung in den persönlichen Malprozess. Dieses veränderte Verhalten im Malprozess löst oft auch ein verändertes Verhalten im realen Leben des Malenden aus. Im Malprozess entstehen Bilder, die im Innersten berühren, weil sie die Sprache des Unbewussten, die Sprache der Seele sind.

So entstehen Beim Malen können Probleme auftauchen, die die Malenden auch aus ihrem realen Leben kennen. Die Möglichkeit, das Bild durch Übermalen oder Vergrößern zu verändern oder durch Bildserien das Thema zu entwickeln, bietet die Chance, alte Gestaltungs - und Lebensmuster aus dem Alltag zu durchbrechen und neue Lösungen auf dem Papier zu erproben. Die Emotionen, die dabei durchlebt werden, sind Realität und korrespondieren mit dem, was im Alltag, im täglichen Leben in der Lebensgestaltung erlebt wird.
Die Malleiterin eröffnet die Möglichkeit durch das Gespräch am Bild, die Erfahrungen und Erkenntnisse beim Malen in den Alltag zu übertragen.

Beim Ausdrucksmalen steht der Malprozess im Mittelpunkt. Es geht nicht so sehr darum, was am Ende des Bildes herauskommt, sondern was im Mal - Prozess als Erfahrung und Erlebnis hereinkommt.

Ausdrucksmalen Ausdrucksmalen ist eine Erfahrung mit und an sich selbst.
Es weckt und fördert Kreativität und persönliches Wachstum. Es eröffnet den Weg zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und hilft sich selbst zu erkennen und zu wertschätzen.
Das Werdende, das Bild selbst hat eine stabilisierende und heilende Wirkung auf den Malenden. Um zu tieferen Erfahrungen durch Ausdrucksmalen zu kommen, muss regelmäßig gemalt werden. Regelmäßigkeit entlastet vom Druck, dass gerade dann etwas erlebt werden müsste, wenn einmal gemalt wird.

Der Malraum

Eine besondere Bedeutung erhält der Raum, in dem Ausdrucksmalen statt findet. Ausdrucksmalen bedarf keiner speziellen Anregung von außen.
Der Malraum ist leer und es gibt keine überflüssigen Gegenstände in ihm.
Die Wände sind mit Holz verkleidet, an denen das Malpapier sich gut befestigen lässt. Es wird stehend an den Wänden und auf großformatigem, weißen Papier gemalt.
In der Mitte des Malraumes steht der Maltisch, der beidseitig begehbar ist. Auf dem Maltisch befinden sich Gouachefarben, die eine besondere Leuchtkraft auf dem Papier entwickeln und zum Malen anregen. Alle anderen Malutensilien, wie Pinsel, Becher usw. befinden sich ebenfalls auf dem Maltisch. Die Malenden lassen sich durch das Material und die Farben anregen und wählen aus. Das Gewählte findet dann seinen Platz auf einen kleinen Malwagen, der neben dem persönlichen Malplatz steht. Dieser kleine Malwagen begünstigt, dass sich die Malenden für längere Zeit in den persönlichen Malprozess einlassen können, ohne dass durch vielfaches Holen von Farben und Materialien aus dem Malprozess gerissen zu werden.
Der Malraum ist wie eine Höhle, in der sich die Malenden geborgen fühlen können. Er ist der schützende Ort, indem Bilder immer wieder neu geboren werden.

Im Malraum gibt es feste Regeln, die das Malen und den Prozess unterstützen, wie zum Beispiel:
Über die Bilder von anderen Malenden wird nicht geredet.
Die Bilder dürfen nicht zerstört werden.
Während des Malens in der Gruppe wird nicht untereinander gesprochen.
Vor dem Abhängen des Bildes findet immer ein Abschlussgespräch mit der Malleiterin statt.

Für wen eignet sich das Ausdrucksmalen?

Ausdrucksmalen eignet sich für Menschen jeden Alters.
Menschen, die etwas für ihre persönliche Entwicklung, Selbstwahrnehmung, Entspannung, Ressourcenaktivierung oder Stressbewältigung tun möchten.
Menschen, die sich in psychischen Krisen oder belastenden Lebenslagen befinden.
Menschen, die körperlich, seelisch oder geistig beeinträchtigt sind.
Menschen, die einfach nur Freude und Lust am Malen haben.